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10.04.2026

Mittelfristige Auswahlgrenze für IGF-Vorhaben in 2026

"Zahlen, die uns nicht interessieren sollten" – Teil 1

Mittelfristige Auswahlgrenze für IGF-Vorhaben in 2026

Seit dem Projektträgerwechsel zum Januar 2024 werden einige Informationen und Zahlen vom Projektträger des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR-PT) und dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energiewandel (BMWE) nicht mehr veröffentlicht, beispielsweise die Anzahl der im Jahr gestarteten IGF-Projekte oder der Umfang der aufgrund suboptimaler Planung verfallenen IGF-Budgetmittel. Sabine Maass, Leiterin des BMWE-Referats "Industrieforschung für Unternehmen, Innovationsberatung", antwortete auf Nachfragen im Rahmen der virtuellen Netzwerkveranstaltung "IGF im Dialog" am 11.03.2026, "Das sind Zahlen, die Sie nicht interessieren sollten. Es tut mir leid, dass das früher transparent war".

Nun, uns interessieren die Zahlen trotzdem, denn nur von ihnen kann eine belastbare Abschätzung der Projektstartchancen abgeleitet werden. Welche Daten wurden zum IGF-Jahr 2025 veröffentlicht und welche lassen sich aus veröffentlichten Daten herauslesen?

Im Jahr 2025 wurden 843 Anträge auf Begutachtung für das BMWE-Programm Industrielle Gemeinschaftsforschung" (IGF) beim DLR-PT eingereicht. Damit wurde nach dem Einbruch direkt nach dem Projektträgerwechsel (in 2024: 503 Anträge) fast wieder das Niveau unter dem Projektträger "Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen" AiF zwischen 2014 und 2023 (950-1200 Anträge/Jahr) erreicht.

Die eingereichten Förderanträge werden durch die IGF-Gutachter des DLR-PTs bewertet. Ab 24 von 40 möglichen Punkten gilt ein Antrag als "befürwortet". Da das durch den Bundestag bewilligte und vom Bundesministerium der Finanzen für die Förderung freigegebene IGF-Jahresbudget nicht für eine Förderung aller befürworteter Projekte ausreicht, wird monatlich eine schwankende Anzahl der höchstbewerteten Vorhaben für eine Förderung ausgewählt, meistens zwischen 20 und 40 pro Monat. Die Auswahl von Projekten zieht sich dadurch nach den Gutachtersitzungsrunden bis über mehr als ein halbes Jahr hin.

Im Jahr 2025 trafen sich die Gutachter zu zwei Sitzungsrunden, und zwar im April/Mai und im September. Projekte beider Sitzungsrunden wurden in den anschließenden sechs bis sieben Monats-Auswahlrunden für eine Förderung ausgewählt. Teilweise waren nach den Gutachtersitzungen von den Antragseinreichern noch Nachforderungen zu erfüllen. Verfolgt man die in den Gutachtersitzungsrunden besprochenen Projekte über die nachfolgenden Auswahlrunden, zeigt sich eine 'mittelfristige Auswahlgrenze', und zwar für 2025 konstant bei 36,0 Bewertungspunkten. Alle Vorhaben, deren Anträge in 2025 mit mindestens 36 Punkten bewertet wurden, wurden – ohne oder nach einer Wartezeit von bis zu sieben Monaten – für eine Förderung ausgewählt. Hingegen wurden keine Vorhaben ausgewählt, deren Anträge 35 oder weniger Punkte erhielten.

Ebenso lässt sich durch Verfolgung der in einer Gutachtersitzungsrunde besprochenen Projekte über die nachfolgenden sechs bis sieben Auswahlrunden feststellen, dass in 2025 für zwischen 34 % und 38 % der besprochenen Anträge eine Auswahl für die IGF-Förderung erreicht wurde. Zwischen 37 % und 40 % der Anträge erhielten zwar eine "Befürwortung" (= 24 oder mehr Punkte), wurden aber nicht für eine Förderung ausgewählt. Zwischen 22 % und 28 % der Anträge erhielten keine Befürwortung.

Aufgrund ihres ausgearbeiteten Vorbegutachtungssystems, das zu einem großen Teil auf der ehrenamtlichen Mitwirkung des Wissenschaftlichen Beirats der F.O.M. beruht, schneidet die F.O.M. deutlich besser ab als der IGF-Durchschnitt. Für die meisten der letzten zwölf Jahre konnte für 60 bis 80 % der F.O.M.-Vorhaben eine Förderung erreicht werden, wenn auch teilweise eine Wiedervorlage zur Erreichung der Förderbewilligung notwendig war. Zählt man die Wiedervorlagen als eigenständige Einreichungen mit, erreichte die F.O.M. bei genau 50 % ihrer Antragseinreichungen eine Bewilligung.

Auch in der Januar-Gutachtersitzungsrunde in 2026 erhielt die F.O.M. für drei der vier vorgelegten Anträge Projektstart-ermächtigende 36 Punkte. Geschätzte Wartezeit für diese Projekte bis zum Projektstart: zwischen fünf und acht Monaten, je nach Anzahl der in den Auswahlrunden für eine Förderung ausgewählten Vorhaben.