11.08.2017

IGF aus der Sicht der Industrie - ein Interview

Die Forschungsvereinigung Feinmechanik, Optik und Medizintechnik (F.O.M.) ist 1963 aus SPECTARIS, dem Deutschen Industrieverband für optische, medizinische und mechatronische Technologien, heraus gegründet worden. Sie bringt seit über 50 Jahren Forschungsinstitute und Industrieunternehmen zusammen und betreibt innovationsorientierte Forschungsprojekte.

Als eine von 101 Mitgliedsvereinigungen der Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen (AiF) ist sie antragsberechtigt im Förderprogramm der Industriellen Gemeinschaftsforschung (IGF) des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) und wirbt jährlich zwischen 0,75 und 2,0 Mio. Euro Fördermittel für die begleiteten Branchen ein.

Für das Jahrbuch Medizintechnik führte der Industrieverband SPECTARIS Ende Juli 2017 das folgende Interview über die direkten und indirekten Vorteile der IGF als Instrument der Mittelstandsförderung mit zwei Vorständen der F.O.M. durch, mit dem Vorsitzenden Dr. Harald Stallforth (Berater und ehem. Vorstand für Forschung & Entwicklung und Qualitätsmanagement der Aesculap AG), sowie dem stellvertretenden F.O.M.-Vorsitzenden, Dr. Klaus Irion (Global Vice President Forschung & Technologie der KARL STORZ GmbH & Co. KG):

SPECTARIS: Die IGF ist mit einem Alter von über 60 Jahren Deutschlands dienstältestes Förderprogramm, welches mit der Förderung von Studien der industriellen Machbarkeit von Innovationsideen in der Frühphase der Innovationsschöpfung ansetzt. Auch im Ausland genießt das Programm hohe Anerkennung. Was macht dieses Programm des Bundeswirtschaftsministeriums aus Ihrer Sicht so nachhaltig erfolgreich?

HS: In vielen Programmen wird die Beantragung von Projektfördermitteln durch komplizierte Anträge oder Antragsformalitäten erschwert. Die IGF hingegen zeichnet sich durch die Zwischenschaltung wohlwollender Forschungsvereinigungen, wie der F.O.M., aus, die mit Programm-, Antrags- und Fachkompetenz sowie intensiver Betreuung auf unbürokratische und zielgerichtete Weise eine hohe Antragsqualität sicherstellen und somit für einen niedrigschwelligen Zugang zu den Fördermitteln sorgen.

KI: Von Bedeutung ist, dass die IGF-Förderung in einer frühen Phase der Innovationsschöpfung unterstützt, in der die Innovationsideen noch mit einem hohen technologischen Risiko behaftet sind. In dieser Phase zwischen Grundlagenforschung und Produkt- oder Applikationsentwicklung können die technologischen Herausforderungen am effizientesten gemeinsam gelöst werden. Der vorwettbewerbliche Charakter des Förderinstruments begünstigt zudem die Interessenfindung verschiedener, zum Teil kompetitiver Firmen und garantiert, dass alle eingebundenen Firmen denselben Informations- und Ergebnisstand erhalten.

SPECTARIS: Sehen Sie Mehrwerte in einer Beteiligung von Industrieunternehmen an IGF-Projekten im Vergleich zu Beteiligungen an Projekten anderer Förderprogramme und wenn, dann welche?

HS: Durch die Übernahme von 100 % der anrechenbaren Forschungskosten ist das Amortisierungsrisiko bei einer Beteiligung eines Unternehmens im Projektbegleitenden Ausschuss von IGF-Projekten nahezu null. Dabei ist wichtig, zu bedenken, dass auch im Falle eines negativen Projektergebnisses – wenn sich also eine Innovationsidee als nicht industriell machbar herausstellt – der Wissenszugewinn einen mitunter wertvollen Mehrwert darstellt.

KI: Ein Vorteil, den KARL STORZ für die IGF-Projekte sieht, besteht darin, dass die Forschungsinstitute Themen bearbeiten, die bereits ein breites Interesse aus Industriesicht besitzen. Die Praxisrelevanz und das Potential einer möglichen Umsetzbarkeit sind dadurch gegeben.

SPECTARIS: Was motiviert Ihre Unternehmen seit vielen Jahren, sich für die Industrielle Gemeinschaftsforschung zu engagieren und sich in den Projektbegleitenden Ausschüssen der IGF-Projekte zu beteiligen. Werden Ihre Erwartungen erfüllt?

HS: In keinem mir bekannten Programm werden grundlegende technologische Erkenntnisse so effizient für die Teilnehmer an den Projektbegleitenden Ausschüssen der Forschungsprojekte gefördert und transferiert wie in der IGF. Aus diesem Grund engagiert sich die Aesculap AG seit mittlerweile über 25 Jahren in den Projekten der IGF. Unsere Erwartungen wurden meistens, aber nicht immer erfüllt. Das liegt jedoch in der Natur der Projekte. Auch selbst finanzierte FuE-Projekte sind nicht immer erfolgreich.

KI: Für das Unternehmen KARL STORZ ist es wichtig, Forschungs- und Technologietrends für die Medizintechnik frühzeitig zu erfassen, um in Kombination mit spezifischen Marktanforderungen und Kundenbedürfnissen neue Innovationen angehen zu können. Durch das Engagement bei der Forschungsvereinigung F.O.M. innerhalb der AiF und der aktiven Teilnahme an Projektbegleitenden Ausschüssen ist eine Transparenz zu aktuellen Forschungsprojekten gegeben. So beschäftigt sich z. B. das seit Jahresbeginn laufende IGF-Projekt "EFORMIN" der F.O.M. mit dem Einsatz von Memory-Metallen für chirurgische Instrumente. Neben den entsprechenden Demonstrator-Realisierungen ist es vor allem relevant, die Grenzen dieser speziellen Metalllegierungen zu kennen.

SPECTARIS: Sie beide unterstützen die F.O.M. auch persönlich durch Ihre ehrenamtliche Arbeit als Vereinsvorstände. Welchen Nutzen hat die Arbeit der F.O.M. für die Medizintechnikbranche? Sind Sie mit dem tatsächlich stattfindenden Technologietransfer in den F.O.M.-Projekten zufrieden?

HS: In der Regel haben die Projekte, an denen wir uns beteiligt haben dazu beigetragen, über den Tellerrand der eigenen Aktivitäten hinausschauen zu können. Das heißt auch, dass nicht alle Erkenntnisse unmittelbar in eigene Projekte übergeführt werden konnten. Aus meiner Sicht tut dies aber dem Nutzen des Programms keinen Abbruch.

KI: Die Medizintechnik ist applikationsorientiert und deckt technologisch ein sehr breites Spektrum ab. Es ist daher wichtig, für allgemeine Bereiche, wie z. B. Optik, Optische Technologien und Feinwerktechnik, neuartige Aspekte und ergänzende Forschungsergebnisse in die Produktentwicklung, aber auch in die Fertigung einfließen zu lassen. Der detaillierte Ergebnistransfer ist insbesondere über die F.O.M.-Konferenzen und über die Sitzungen der Projektbegleitenden Ausschüsse ausreichend sichergestellt. Teilweise wäre eine noch frühzeitigere Berichtsübermittlung an den Projektbegleitenden Ausschuss wünschenswert.

SPECTARIS: Welche zukünftige Entwicklung der F.O.M. und ihres Dienstleistungsportfolios erhoffen Sie sich?

HS: Die F.O.M. sollte sich weiterhin an einer sinnvollen Weiterentwicklung des IGF-Programms beteiligen und den Weg der hochqualitativen Antragstellung und Projektdurchführung konsequent fortsetzen. Damit hat sie sich zu einem wesentlichen Technologietransfer-Partner des Verbandes SPECTARIS entwickelt, deren Arbeit allen Mitgliedsunternehmen des Industrieverbands zugutekommt. Darüber hinaus könnte sich die F.O.M. vorsichtig zu einer kompetenten Stelle auch für andere Förderprogramme entwickeln. Vorsichtig deshalb, weil darunter die erreichte Qualität im IGF-Programm nicht leiden darf.

KI: Die Medizintechnik wird sich von den konventionellen Bereichen Feinwerktechnik und Optik hin zu integrierter Elektronik sowie Sensorik und vor allem auch Richtung Software-gestützter Diagnostik und Therapie entwickeln. Auf diese neuen thematischen Aspekte sollte sich auch das Dienstleistungsangebot der F.O.M. ausrichten.

SPECTARIS: Herr Dr. Stallforth, Herr Dr. Irion, herzlichen Dank für das Gespräch.

Kontakt

F.O.M.

Werderscher Markt 15
D-10117 Berlin

Fon: +49 (0)30 414021-39
E-Mail: info@forschung-fom.de

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